Mensch und Computer Konferenz 2020

Sprachassistenten, ihre Nutzung und Datenschutz

Neues aus der Verbraucherinformatik auf der „Mensch und Computer“ 2020

Millionen von NutzerInnen haben sie bereits zuhause stehen, integriert im Smartphone, im Kühlschrank oder im Auto – Sprachassistenten. Interaktion mittels Sprache verleiht diesen künstlichen Intelligenzen schnell einen vermenschlichten, emotionalen Charakter. Doch  die Illusion hält oft nicht lange an und hochgesteckte Erwartungen werden schnell enttäuscht. Auf der MuC Konferenz 2020 werden vom 06. – 09. September neue Erkenntnisse der Verbraucherinformatik vorgestellt. Wie ist es um Datenschutz und -verarbeitung der dominierenden Anbieter bestellt und wie kann hier mehr Transparenz für VerbraucherInnen geschaffen werden? Wie gestaltet sich die konkrete Interaktion zwischen Mensch und Sprachassistent und welche Strategien eignen sich VerbraucherInnen im Umgang mit fehlerhafter Kommunikation an?

Weiterführende Informationen finden Sie hier https://muc2020.mensch-und-computer.de/ und hier: https://fb-mci.gi.de/aktivitaeten/tagungsreihe-mensch-und-computer.

„Miss Understandable”: Eine Studie zur Aneignung von Sprachassistenten und dem Umgang mit Fehlinteraktionen:

Dominik Pins, Alexander Boden, Gunnar Stevens and Britta Essing. 2020. „Miss Understandable”: Eine Studie zur Aneignung von Sprachassistenten und dem Umgang mit Fehlinteraktionen. In Proceedings of Mensch und Computer 2020 (MUC20). ACM, Magdeburg, Germany, 10 pages.

Diese Studie untersucht die Aneignung und Nutzung von Sprachassistenten wie Google Assistant oder Amazon Alexa in Privathaushalten. Unsere Forschung basiert auf zehn Tiefeninterviews mit Nutzern von Sprachassistenten sowie der Evaluation bestimmter Interaktionen in der Interaktionshistorie. Unsere Ergebnisse illustrieren, zu welchen Anlässen Sprachassistenten im heimischen Umfeld genutzt werden, welche Strategien sich die Nutzer in der Interaktion mit Sprachassistenten angeeignet haben, wie die Interaktion abläuft und welche Schwierigkeiten sich bei der Einrichtung und Nutzung des Sprachassistenten ergeben haben. Ein besonderer Fokus der Studie liegt auf Fehlinteraktionen, also Situationen, in denen die Interaktion scheitert oder zu scheitern droht. Unsere Studie zeigt, dass das Nutzungspotenzial der Assistenten häufig nicht ausgeschöpft wird, da die Interaktion in komplexeren Anwendungsfällen häufig misslingt. Die Nutzer verwenden daher den Sprachassistenten eher in einfachen Anwendungsfällen und neue Apps und Anwendungsfälle werden gar nicht erst ausprobiert. Eine Analyse der Aneignungsstrategien, beispielsweise durch eine selbst erstellte Liste mit Befehlen, liefert Erkenntnisse für die Gestaltung von Unterstützungswerkzeugen sowie die Weiterentwicklung und Optimierung von sprachbasierten Mensch-Maschine-Interfaces.

Über die nutzerInnenfreundliche Formulierung von Zwecken der Datenverarbeitung von Sprachassistenten: Eine Interpretation des Zweckbindungsprinzips aus NutzerInnensicht:

Timo Jakobi, Max von Grafenstein, Dominik Pins, Alexander Boden and Gunnar Stevens. 2020. Über die nutzerInnenfreundliche Formulierung von Zwecken der Datenverarbeitung von Sprachassistenten: Eine Interpretation des Zweckbindungsprinzips aus NutzerInnensicht. In Proceedings of Mensch und Computer 2020 (MUC20). ACM, Magdeburg, Germany, 12 page.

2019 wurde bekannt, dass mehrere Anbieter von Sprachassistenten Sprachaufnahmen ihrer NutzerInnen systematisch ausgewertet haben. Da in den Datenschutzhinweisen angegeben war, dass Daten auch zur Verbesserung des Dienstes genutzt würden, war diese Nutzung legal. Für die NutzerInnen stellte diese Auswertung jedoch einen deutlichen Bruch mit ihren Privatheitsvorstellungen dar. Das Zweckbindungsprinzip der DSGVO mit seiner Komponente der Zweckspezifizierung fordert neben Flexibilität für den Verarbeiter auch Transparenz für den Verbraucher. Vor dem Hintergrund dieses Interessenkonflikts stellt sich für die HCI die Frage, wie Verarbeitungszwecke von Sprachassistenten gestaltet sein sollten, um beide Anforderungen zu erfüllen. Für die Erhebung einer Nutzerperspektive analysiert diese Studie zunächst Zweckangaben in den Datenschutzhinweisen der dominierenden Sprachassistenten. Darauf aufbauend präsentieren wir Ergebnisse von Fokusgruppen, die sich mit der wahrgenommenen Verarbeitung von Daten von Sprachassistenten aus Nutzersicht befassen. Es zeigt sich, dass bestehende Zweckformulierungen für VerbraucherInnen kaum Transparenz über Folgen der Datenverarbeitung bieten und keine einschränkende Wirkung im Hinblick auf legale Datennutzung erzielen. Unsere Ergebnisse über von Nutzern wahrgenommene Risiken erlauben dabei Rückschlüsse auf die anwenderfreundliche Gestaltung von Verarbeitungszwecken im Sinne einer Design-Ressource.