Der Digitale Kassenzettel

Was kostet die Welt? …Und wie finde ich es heraus?

Der Digitale Kassenzettel könnte die Verbrauchergewohnheiten revolutionieren.

Was Unternehmen wie Payback über das persönliche Kaufverhalten mancher Menschen wissen ist kontrovers. Wie aber wäre es, wenn diese gebündelten Informationen nicht einem Privatunternehmen, sondern den VerbraucherInnen selbst  zur Verfügung stünden? Das Konzept der digitalen Kassenzettel bietet das Potenzial eine lange Reihe von Missständen aufzubrechen und Verbraucherschutz, Nachhaltigkeit und Transparenz zu stärken.

Herkömmliche Kassenzettel enthalten umweltschädliches Bisphenol A oder S und landen oft direkt im Müll oder werden gar nicht erst mitgenommen. Digitale Kassenzettel bieten neben einer weitaus besseren CO2-Bilanz vor allem aber die Möglichkeit, relevante Verbrauchsinformationen miteinander zu verknüpfen. Nicht nur die Wahrnehmung persönlicher Einkaufsmuster und die fundierte Selbstreflexion des eigenen Einkaufverhaltens werden somit möglich (wie viel habe ich dieses Jahr wohl eigentlich für Süßigkeiten ausgegeben?…)  – ein digitales System bietet auch profane aber nützliche Tools wie Erinnerungen an bald ablaufende Produkte im Vorratsschrank, passende Rezeptvorschläge hierzu oder Preisvergleiche zwischen verschiedenen Geschäften. Die Abwicklung über das Smartphone ermöglicht zudem, Produktinformationen zu bündeln und einfach zugänglich zu machen: Wo kommt das Produkt eigentlich genau her? Was ist alles drin? Und was war E 330 noch mal? Verlorene oder verblasste Garantie-Scheine, ausufernde Steuererklärungs-Zettelwirtschaften und unüberblickbare Einzel-Kostenübersichten könnten somit bald überflüssig werden. Ein digitaler Bon ermöglicht ein nachhaltigeres Haushaltsmanagement.

Der digitale, nachhaltige Bon

Mittlerweile gibt es verschiedene Systeme, die meist mit Papier-, Kosten- und Zeitersparnis oder integrierten Sonderaktionen werben. Das erste explizit für Nachhaltigkeit entwickelte Konzept wurde nun an der Universität Siegen vorgestellt. Im Rahmen einer qualitativen Befragung wurden unverzichtbare Funktionen evaluiert, die ein digitales System bieten sollte. Neben einer verbesserten, automatisierten Kostenübersicht und weiterführenden Informationen wünschten sich die meisten Befragten Funktionen, die nachhaltigen Konsum fördern und Transparenz stärken. Detaillierte Informationen über Haltbarkeitsangaben oder Produkt-Feedback- und Bewertungssysteme könnten Informationsasymmetrien mindern und auch herstellenden Unternehmen bei der Produktverbesserung helfen. Das Konzept „dignaBon“ bietet hier einen ersten Ansatzpunkt. Die von Stefan Hanschke entwickelten App-Prototypen erlauben neben den bereits aufgezählten Optionen auch die Führung eines digitalen Haushaltsbuches, automatisch generierte Einkaufslisten und die Möglichkeit zum Foodsharing per Knopfdruck. So soll der Lebensmittelkonsum nachhaltiger und Verschwendung entgegengewirkt werden. Das Konzept des Bachelorstudenten gewann ganz zu Recht daher den „Nachwuchsförderpreis Verbraucherforschung 2017“.

Im Hinblick auf Umwelt und Konsumentenwünsche scheint die Einführung eines nachhaltigeren Rechnungssystems – spätestens seit der Bonpflicht – also äußerst vielversprechend. Dennoch sind natürlich auch die kritischen Stimmen, die eine Gefährdung der Privatsphäre wittern, nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Die konsequente Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung ist daher ein grundsätzliches Minimum, das ein solches System erfüllen muss. Dieser Konflikt kann grundsätzlich sowohl theoretisch als auch implementierungstechnisch gelöst werden, dennoch muss sich das System der digitalen Kassenzettel, diesbezüglich und im Hinblick auf eine breite Akzeptanz, selbst beweisen.