Protokoll „Smell, Taste and Temperature Interfaces Workshop“ CHI 2021

Protokoll von Jenny Berkholz

Smell, Taste and Temperature Interfaces Workshop, CHI Konferenz 2021

Datum: 06.05.21 bis 08.05.21, jeweils von 23 Uhr bis 2 Uhr

Online Veranstaltung, Zoom-Konferenz

41 Teilnehmende

Workshop-Homepage: https://stt21.plopes.org/

Die Workshop-Tage sind wie folgt nach dem gleichen Schema aufgebaut: Nach der Begrüßung werden „Provocation Talks“ vorgestellt und abschließend diskutiert. Nach dieser ersten halben Stunde werden jeweils Videos der eingereichten Präsentationen abgespielt, die zuvor von den Teilnehmenden aufgenommen und eingereicht worden sind. Begleitend stehen das zugehörige Paper und die Videos dem internen Plenum online zur Verfügung, diese werden jedoch nicht veröffentlicht. Dies nimmt etwa eine weitere Stunde in Anspruch. Anschließend erfolgt eine Pause von fünf Minuten. Ferner werden Breakout-Sessions von drei bis fünf Teilnehmenden randomisiert gebildet, in denen Raum für Austausch oder Diskussion gegeben wird. Nach einer halben Stunde werden diese Sitzungen beendet und alle Teilnehmenden finden sich im „Hauptraum“ ein. Dort wird das Besprochene zusammengetragen und im Plenum diskutiert. Daraufhin erfolgen Social-Events, die für das europäische Publikum freigestellt werden, da diese aufgrund der Zeitverschiebung eine fortgeschrittene Uhrzeit haben. Die Kommunikation fand sowohl über den Zoom-Chat, per Mail und via Discord-Server statt.

Der erste Tag des Workshops setzt sich mit dem Thema „Smell“ auseinander. Die einleitenden Talks werden von Haruka Matsukura, Emanuela Maggioni und Judith Amores gehalten. Es folgen zehn Kurzpräsentationen. Im Breakout-Raum der Protokollantin wird mit Daniela Napoli über die Kombination von Temperatur-Interfaces und Usable Security diskutiert. Des Weiteren wird festgestellt, dass in der Community das Vokabular zum Ausdrücken von Geschmack und Geruch fehlt. Da sich besonders die Bedeutung von Geruch mit der Zeit verändert, auch aufgrund von kulturellen Einflussfaktoren, soll dies weiter erforscht werden. Es wird hervorgehoben, dass die anderen Sinne viel dominanter im wissenschaftlichen Diskurs sind und es deshalb von höchster Relevanz ist, die Smell-, Taste- und Temperatur-Forschung voran zu treiben. So sind besonders der Sehsinn und der Tastsinn beim „swipen“ des Bildschirms, die dominieren. Judith Amores verdeutlicht weiterhin die Wichtigkeit der Forschung des menschlichen Unterbewusstseins und wie dieses durch Geruch, beispielsweise während des Schlafs, adressiert werden kann. Das Erlernen und Fördern von Geruch und Geschmack wird außerdem diskutiert, da dies in Zeiten der Covid-19-Pandemie, und dem Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns der mit der Erkrankung einhergeht, als sehr sinnvoll erscheint. Das Augenmerk wird jedoch auf die Wichtigkeit der Sprache gelegt, da sie die gesellschaftliche Wirklichkeit konstruiert.

Der zweite Tag des Workshops konzentriert sich auf das Thema „The Future of Taste“. In den „Provocation-Talks“ von Nimesha Ranasinghe und Marianna Obrist wird verdeutlicht, dass die Geschmacksforschung in der HCI-Community noch „in den Kinderschuhen“ steckt („The sense of taste in HCI is in its infancy“). Es wird spekuliert ob sich Geschmack und Geruch wie die Farbspektren RGB und CMYK zusammensetzen und ob dies zu neuen Sinneseindrücken führen könne. Derweil stellt Nimesha Ranasinghe seine Prototypen des Vocktails und Voffees vor, dabei handelt es sich um virtuelle Getränke. Marianna Obrist stellt das Projekt „Tasty Floats” vor, welches von einer Szene des Science-Fiction Films „Star Wars“ inspiriert wurde. Auch stellt sie ihr früheres Projekt „Temporal, Affective, and Embodied Characteristics of Taste Experiences” vor, in dem bereits ein spezielles Vokabular für Taste vorgestellt wird. Sie plädiert, dass Geschmacksforschung etwas ist, mit dem in der Wissenschaft verantwortungsvoll umgegangen werden muss. Dementsprechend stellt sie die drei Regeln, angelehnt an „Asimovs’ Laws“, der Geschmacksforschung auf. Es folgen acht Vorträge unter anderem der Vortrag „Bourdieu Reloaded: On the Social Consruction of Taste“ der Protokollantin und Gunnar Stevens. Während der Breakout-Session gibt es Diskussionen darüber, was der Unterschied zwischen Flavor und Taste sei, da zu Flavor eine gewisse Geruchskomponente gehört. Auch wird von Nimesha Ranasinghe angesprochen, wie die soziale Akzeptanz gesteigert werden könne Gustatory Interfaces zu erforschen, da es eine gewisse Barriere gibt, die oftmals befremdlich wirkenden Gegenstände, in den Mund zu nehmen. Für diejenigen des Plenums, die noch kein solches Gerät benutzt haben, ergibt sich die Frage danach, wie sich ein solch „elektrischer Geschmack“ anfühlt. Auch werden Möglichkeiten der alternativen Proteine und deren Akzeptanz, am Beispiel von Insekten diskutiert. Dies führte jedoch zu keiner abschließenden Lösung.

Der dritte und letzte Tag des Workshops begann mit den Talks von Roshan Peiris und Jas Brooks. Es wird dort gezeigt wie Wetter-Auskünfte durch Virtual Reality und Temperatur Interfaces darstellt und vermittelt werden können. Von Jas Brooks wird genauer erläutert was der „Nervus trigeminus“ ist und wie dieser das Wärme- und Kälteempfinden steuert. Es wird betont, dass gerade Temperaturwahrnehmung ein multisensorisches Erlebnis ist. Unter den weiteren sechs Vorträgen wird unter anderem die virtuelle Simulation von Weinverkostungen und deren Kombination mit Wärme und Kälte untersucht. Im Breakout-Room wurde der Protokollantin nahe gelegt sich mit Charles Spence auszutauschen, da er zu ähnlichen Themen forscht, dieser nahm jedoch nicht am Workshop teil. Auch wird die Interdisziplinarität der Gruppe positiv hervorgehoben.

Insgesamt wird der Workshop von den OrganisatorInnen als Erfolg gewertet und soll im nächsten Jahr wiederholt werden.