Forschungsfelder

Smart Mobility

Durch die Digitalisierung befindet sich die Mobilitätsbranche im starken Umbruch. So wird man bei der Verkehrsmittelwahl zukünftig wohl auch auf selbstfahrende Autos zurückgreifen können. Selbstfahrende Fahrzeuge (SAE – Level 5) stellen einen Technologiesprung dar, der Lösungen für aktuelle Verkehrsprobleme bieten und den Umgang mit Mobilität dramatisch verändern kann. Vollautonome Fahrzeuge werden seit einigen Jahren in mehreren Pilotprojekten getestet. Die führenden Automobilhersteller und IT-Konzerne im Bereich des autonomen Fahrens gehen davon aus, dass innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre die Vollautomation Serienreife erlangen könnte. Experten erwarten von fahrerlosen Autos eine Reduzierung v on Unfällen und Verkehrsproblemen sowie einen effizienteren Verkehrsfluss. Durch die Selbstfahrtechnik werden auch neue, innovative Geschäftsmodelle wie Vehicle-on-Demand – Dienste entstehen. Mobilitätsservices wie selbstfahrende Taxis bzw. selbstfahrendes Carsharing profitieren von der Selbstfahrtechnik in besonderem Maße: Fahrerlose Taxis können wegen geringerer Personalkosten wesentlich günstiger operieren und das vollautonome Carsharing verspricht Verbesserungen in der Verfügbarkeit, da das Auto zum Nutzer kommt, statt umgekehrt. In diesem Zusammenhang sehen einige Forscher eine starke Konvergenz von Taxi und Carsharing. Verschiedene Autoren erwarten durch die Stärkung nutzungsbasierter Mobilitätsservices eine signifikante Reduzierung des Privat – PKWs. Um ein besseres Verständnis für die Nutzerakzeptanz zu erlangen und um zukünftige Veränderungen im Mobilitätsverhalten aufgrund von neuen autonomen Verkehrsmitteln besser prognostizieren zu können, untersuchen wir, wie die die Koexistenz autonomer Verkehrsmittel und mit bisherigen Modi sich auf ökologische, gesellschaftliche und individuelle Faktoren der Mobilität auswirken wird.

Smart Food

Die Durchdringung der Gesellschaft mit IT-Artefakten führt auch zu einem Wandel von Verbraucherpraktiken. So werden im Handel z. B. Produktkennzeichnungen nicht mehr allein auf Verpackungen gedruckt, sondern sind vermehrt auch im Internet allgemein zugänglich. Ratgeberzeitschriften werden durch Bewertungsportale ergänzt, bei denen sich Verbraucher austauschen können. Bargeld wird durch neue Formen bargeldlosen Zahlungsverkehrs ersetzt, und das Einkaufen selbst findet verstärkt digital statt. Dieser Wandel eröffnet neue Möglichkeiten, die Lebens- und Alltagsökonomien von Verbrauchern mittels IT zu unterstützen. Das moderne Wirtschaftsleben hat jedoch nicht nur Verbraucherpraktiken verändert, sondern verlangt dem Verbraucher auch neue Kompetenzen ab. Das zunehmende Warenangebot fordert z. B. vom Verbraucher, sich effizient über den Markt zu informieren, Preise auszuhandeln, Waren günstig einzukaufen und Vertrauensnetzwerke aufzubauen und zu pflegen. Aufgrund mannigfaltiger Informationsasymmetrien ist der Verbraucher gegenüber Herstellern bzw. Händlern jedoch meist in einer schwächeren Position. Deshalb fordern Verbraucher zunehmend eine höhere Transparenz, z. B. in der Lebensmittelbranche, vor allem nachdem immer wieder diverse Lebensmittelskandale in den Fokus der Medien rücken. Dies verunsichert die Verbraucher und steigert deren Bedarf an umfassenderen Produktinformationen. Obwohl bereits viele Informationen kostenlos zur Verfügung stehen, werden diese nur selten aktiv genutzt, weil sie bisher nicht bedarfsgerecht aufbereitet und bereitgestellt werden. Die bedarfsgerechte Gestaltung von Informations- und Kommunikationstechnologien ist notwendig, um das Leitbild des mündigen Verbrauchers zu fördern, indem die Haushaltsökonomien und Alltagspraktiken von Verbrauchern unterstützt werden – angefangen bei der Einkaufsplanung, Kauf, Lagerung bis zu Nutzung und Konsum der Waren. Eine der größten Herausforderungen besteht dabei darin, die Verbraucher und deren IT in die Informationslogistik der Konsumwirtschaft zu integrieren.

Smart Living

Der Consumer-Markt für Smart Home Nachrüstlösungen boomt. Mit dem aufkommenden Internet der Dinge versuchen neben etablierten Unternehmen wie Apple, Samsung oder Google auch viele (Branchen-)Neulinge ihre Einzel- oder Systemlösungen zu positionieren. Während die Anwendungsfälle einzelner Smart Home Komponenten sehr individuell ausfallen, werben Systemlösungen häufig mit der Adressierung von drei Nutzerbedürfnissen: Sicherheit, Komfortsteigerung und Energieeinsparungen. In der Forschung wurden diese Themen allerdings bisher meist getrennt voneinander untersucht. Eine aktive Erforschung der Bedürfnisse der Nutzer in Verbindung mit Smart Home Systemen findet bisher nur sehr eingeschränkt statt.
Beispielsweise werden einzelne Aspekte eines Smart Home, wie Potentiale der Automatisierung, der Aktivitätserkennung und Implikationen für die Privatsphäre erforscht. Auf Ebene des Interface Designs existieren Studien zur Nutzung und Anpassung einzelner Komponenten eines Smart Home, wie Kalender oder mobile Interfaces. Eine systematisierte Forschung zu Aneignungs- und Nutzungsbarrieren von Smart Home existiert allerdings kaum.
Das digital Behavior Lab entgegnet diesem Missstand und erforscht entsprechend die systematische Aneignung und Nutzung von Smart Home Lösungen auf einer nutzerzentrierte Art und Weise.